Historie des Staatsweinguts
Karlsruhe-Durlach

Während in römischen Siedlungen schon seit ca. 50 n. Chr. Weinanbau in Baden betrieben wurde, spielt der Anbau an den Hängen des Turmbergs erst seit dem Mittelalter eine Rolle. So hat ein „Herolt in Berghausen“ 771 n. Chr. einen Weinberg am Hohenberg (jetziger Turmberg) dem Kloster Lorsch geschenkt. Gut 500 Jahre später hat Markgraf Hermann VII. dem Kloster Herrenalb den Kaiserberg am Turmberg und alle anderen Reben in Durlach geschenkt.

Zwischen 1302 und 1503 gingen die Turmbergreben als Erblehen durch verschiedene Hände. Mehrere harte Winter, mangelnde Düngung und nicht zuletzt der Mehltau führten dazu, dass Anfang des 19. Jahrhunderts der Weinanbau am Turmberg nahezu zum Erliegen kam, bis die Reben schließlich 1832 für 2170 Gulden an den Markgrafen Wilhelm von Baden versteigert wurden. Dieser vergrößerte das Rebgelände und bepflanzte es nach und nach neu. Seiner Initiative ist zu verdanken, dass es heute noch Weinstöcke am Turmberg gibt. Nach dem Tod des Markgrafen 1866 hat Prinzessin Elisabeth den Rebberg übernommen, ihn aber bereits 9 Jahre später an den Durlacher Rosenwirt Rittershofer verkauft. Dieser hat den Rebberg Ende der 1880er Jahre an die Stadt Durlach abgetreten.

Als um die Wende des 20 Jahrhunderts die Reblaus den Weinbau in ganz Europa fast zu Erliegen brachte, hat schließlich im Jahr 1903 das Großherzogtum Baden eine Rebveredelungsanstalt gegründet. Die Hauptaufgabe bestand, neben der Beratung und Fortbildung der Winzer, bis 1979 in der Versorgung des nordbadischen Weinbaus mit reblausfestem Pflanzmaterial. Nach der Umbenennung in „Staatliches Weinbauversuchsgut“ im Jahr 1980 lag der Schwerpunkt auf praxisorientierten Weinbauversuchen.

Zum 01.01.1993 hat die Landeskreditbank Baden-Württemberg (L-Bank) das Gelände gekauft. Sie schuf so die Voraussetzungen, den traditionsreichen Weinbau am „Durlacher Turmberg“ zu erhalten und fortzuführen. Das Ziel des Staatsweinguts ist heute die qualitäts- und umweltorientierte Produktion hochwertiger Weine auf historischem Boden.

Unsere Arbeitskräfte bewirtschaften heute mit Unterstützung von Saisonkräften auf 8,7 ha Rebfläche (derzeit 8,5 ha im Ertrag) hauptsächlich traditionelle weiße Rebsorten wie Riesling (30 Prozent), Auxerrois (14 Prozent), Grauburgunder (13 Prozent) und Weißburgunder (12 Prozent). Daneben sind Sorten wie Scheurebe und Muskat-Ottonel in den Steillagen und Terrassen am Turmberg zuhause. Der Rotweinanteil mit Lemberger und Spätburgunder wurde auf fast 22 Prozent der Betriebsfläche erhöht.

Die Beschaffenheit der Böden in der Einzellage „Durlacher Turmberg“, die sich im Alleineigentum der L-Bank befindet, sind Gipskeuper und Muschelkalk auf steilen Süd- und Südwestlagen. Eine extensive Produktion sorgt für niedrige Erträge, so dass der langjährige Prädikatsweinanteil bei über 90 Prozent liegt.

100 Prozent Erzeugerabfüllung: Das Staatsweingut erzeugt die Trauben, baut den Wein aus und verkauft ihn in eigener Regie. Die erzeugten Produkte gehen überwiegend an Privatkunden der Region, jedoch auch an Firmenkunden und Gastronomie sowie an den Fachhandel. Zusätzlich destilliert das Staatsweingut selbst Spirituosen wie Weinhefe- und Tresterbrand oder Traubenlikör und macht eigenen Sekt im traditionellen Flaschengärverfahren. Im Gebäude des Staatsweinguts lagern 50.000 Liter im Fass und 31.500 Liter in Flaschen.